...Von Goslar ging ich den andern Morgen weiter, halb auf Geratewohl, halb in der Absicht, den Bruder des Clausthaler Bergmanns aufzusuchen. Wieder schoenes, liebes Sonntagswetter. Ich bestieg Huegel und Berge, betrachtete wie die Sonne den Nebel zu verscheuchen suchte, wanderte freudig durch die schauernden Waelder, und um mein traeumendes Haupt klingelten die Glockenbluemchen von Goslar.
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...Die Sonne ging auf. Die Nebel flohen, wie Gespenster beim dritten Hahnenschrei. Ich stieg wieder bergauf und bergab, und vor mir schwebte die schoene Sonne, immer neue Schoenheiten beleuchtend. Der Geist des Gebirges beguenstigte mich ganz offenbar; er wusste wohl, dass so ein Dichtermensch viel Huebsches wiedererzaehlen kann, und er liess mich diesen Morgen seinen Harz sehen, wie ihn gewiss nicht jeder sah. Aber auch mich sah der Harz, wie mich nur wenige gesehen, in meinen Augenwimpern flimmerten ebenso kostbare Perlen, wie in den Graesern des Tals, Morgentau der Liebe feuchtete meine Wangen, die rauschenden Tannen verstanden mich, ihre Zweige taten sich voneinander, bewegten sich herauf und herab, gleich stummen Menschen, die mit den Haenden ihre Freude bezeigen, und in der Ferne klang's wunderbar geheimnisvoll, wie Glockengelaeute einer verlornen Waldkirche. Man sagt, das seien die Herdengloeckchen, die im Harz so lieblich, klar und rein gestimmt sind...